„Vibe Coding" —
Programmieren auf Zuruf?
Man beschreibt in normalen Sätzen, was ein Programm tun soll — und die KI baut es. Klingt nach Zauberei, ist inzwischen Alltag. Was hinter dem Begriff steckt, was wirklich funktioniert und wo die Sache kippt.
Der Begriff stammt vom KI-Forscher Andrej Karpathy, der Anfang 2025 beschrieb, wie er Software baut, ohne den Code selbst zu tippen: Er sagt der KI, was er will, schaut auf das Ergebnis, sagt, was anders soll — fertig. „Vibe Coding" eben: dem Gefühl folgen statt jeder Zeile. Anderthalb Jahre später ist daraus eine ernsthafte Arbeitsweise geworden. Mit echten Stärken und echten Fallen.
Wie das konkret aussieht
Ein Beispiel aus unserem Alltag: Statt drei Tage lang ein Formular mit Datenbank-Anbindung zu programmieren, schreibt man der KI etwa — „Baue ein Anfrage-Formular mit Name, Telefon, Wunschtermin. Speichere Anfragen in einer Tabelle, schicke mir eine E-Mail bei jeder neuen Anfrage, und blocke Spam-Absendungen." Die KI liefert in Minuten einen ersten Wurf. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: prüfen, testen, nachschärfen.
Moderne KI-Systeme wie Claude arbeiten dabei nicht mehr nur als Text-Automat, sondern als Agent: Sie legen Dateien an, führen Tests aus, finden eigene Fehler und korrigieren sie. Das ist der Grund, warum sich in den letzten zwei Jahren so viel bewegt hat.
Was daran wirklich gut ist
- Prototypen in Stunden statt Wochen. Eine Idee lässt sich noch am selben Tag anfassbar machen — bevor Geld in die falsche Richtung fließt.
- Kein Fachchinesisch nötig, um mitzureden. Wer sein Geschäft beschreiben kann, kann beschreiben, was die Software tun soll. Die Hürde ist Klarheit, nicht Informatik.
- Änderungen tun nicht mehr weh. „Kannst du das Feld noch dazu nehmen?" ist keine Wochenaufgabe mehr, sondern eine Viertelstunde.
Wo die Sache kippt
1. „Fast fertig" ist bei Software gefährlich
Ein Vibe-Coding-Prototyp sieht nach 90 % aus — die fehlenden 10 % sind aber genau die, die zählen: Was passiert bei falschen Eingaben? Wenn zwei Leute gleichzeitig speichern? Wenn das Handy offline ist? Diese Fälle findet nur, wer systematisch testet. Wer den Prototyp direkt produktiv nimmt, merkt die Lücken, wenn Kunden sie merken.
2. Sicherheit passiert nicht von allein
KI-generierter Code funktioniert oft — aber „funktioniert" und „sicher" sind zwei Paar Schuhe. Offene Zugänge, unverschlüsselte Daten, vergessene Admin-Seiten: alles schon gesehen. Sobald Kundendaten im Spiel sind, braucht es jemanden, der gezielt nach Schwachstellen sucht — und einen Plan für Updates und Backups.
3. Niemand fühlt sich verantwortlich
Das größte Risiko ist nicht technisch: Wenn die Software von „der KI" gebaut wurde — wen rufst du an, wenn sie um 7 Uhr morgens streikt und deine Fahrer auf dem Hof stehen? Software braucht einen Kümmerer. Mit oder ohne KI.
Selbst machen oder machen lassen?
Unsere ehrliche Einordnung:
- Selbst probieren lohnt sich für interne Helferlein ohne Kundendaten — ein Rechner, eine Checkliste, ein kleines Dashboard. Kostet wenig, und du lernst dabei viel über deine eigenen Abläufe.
- Machen lassen ist die richtige Wahl, sobald das Werkzeug im Tagesgeschäft hängt, Kundendaten verarbeitet oder Geld berechnet. Dann zählt genau das, was Vibe Coding allein nicht liefert: Tests, Sicherheit, DSGVO, Betrieb.
Wie sich die Kosten dafür verschoben haben, steht im Artikel „Warum individuelle Software plötzlich bezahlbar ist".
Fazit
Vibe Coding ist kein Hype, der wieder verschwindet — es ist die neue Art, wie Software entsteht. Aber es verschiebt die Arbeit, statt sie abzuschaffen: weg vom Tippen, hin zum klaren Denken, Prüfen und Verantworten. Genau daran erkennst du auch seriöse Anbieter: Sie erzählen dir nicht, dass die KI alles macht. Sie erklären dir, was sie selbst tun, damit das Ergebnis hält.
Neugierig, wie so ein Prototyp für deine Idee aussehen könnte? Schreib uns kurz — oft reicht ein Nachmittag, um zu sehen, ob die Richtung stimmt.
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